Praxisgemeinschaft Psych. Psychotherapeuten
Hans-Werner Firmenich  Jonas Kersken  |  Ralf Jostes |  Malte vom Brocke                

Diagnostik von ADHS/ADS und Autismusspektrumstörungen im Erwachsenenbereich

Patricia E. Clark sagte über die Autismus/Asperger-Diagnose im Erwachsenenalter:

Sie ist enorm nützlich. Wenn nichts anderes, so rechtfertigt sie doch zumindest die lebenslangen Anstrengungen, dem gerecht zu werden, was jeder von ihnen verlangte/erwartete und sie nicht erfüllen konnten/wollten. Es ist solch eine Erleichterung zu wissen, dass du kein schlechter Mensch bist, weil du du selbst bist.


Vorweg: Grundsätzlich gibt es Vor- und Nachteile einer Diagnostik.
Eine Diagnostik ist dann sinnvoll, wenn Beschwerden bestehen, die die Lebensqualität und/oder auch den schulischen bzw. beruflichen Werdegang beeinflussen und somit eine Behandlung sinnvoll erscheint. Die Kostenübernahme einer Behandlung (im öffentlichen Gesundheitssystem) ist nur mit einer Diagnose möglich. Auch die Inanspruchnahme weiterer Hilfsangebote wie z.B. eine gezielte Autismustherapie sind nur mit Vorliegen einer Diagnose möglich. Das diagnostische Erfassen von gleichzeitigen Autismusspektrumsstörungs- und ADHS-Symptomen, was gar nicht so selten ist, kann z.B. die Grundlage für eine Stimulantienbehandlung sein, die wiederum eine deutliche Beschwerdereduktion bewirken kann.
Vorteilhaft kann auch die Bestätigung eines Grades einer Behinderung sein (vgl. Teilhabe).
Nachteil: Eine Diagnose kann den Abschluss bestimmter Versicherungen (z.B. private Krankenversicherung oder Berufsunfähigkeitsvericherung) und evtl. auch eine Verbeamtung erschweren.

Daher werden im Erstgespräch die individuelle Bedeutung und Konsequenz einer Diagnose aufgegriffen.
Da der persönliche Kontakt auch während einer Testsituation gerade für Menschen mit Autismusspektrumstörungen schwierig sein kann ist ein Teil der Diagnostik auch online und/oder per Videotermin möglich.
Nach der Diagnostik: Falls freie Kapazitäten vorhanden sind, ist eine psychotherpeutische Weiterbehandlung möglich. Eine eventuell notwendige medikamentöse Behandlung kann bei uns nicht erfolgen. Hierzu ist die Behandlung durch einen Facharzt für Psychiatrie notwendig.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen immer mehr, dass die Durchführung von Neurofeedback (siehe Seite Neurofeedback)  bei ADHS und Autismus gute Erfolge erzielen kann. Es besteht die Möglichkeit das Neurofeedbackverfahren ILF (Othmerverfahren) in der Praxis auszuprobieren und auch während der Psychotherapie einzusetzen. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt u.a darin, dass es sich um ein nicht-invasives Verfahren handelt. D.h. durch eine reine Messung und Rückmeldung bestimmter Prarameter werden eine Veränderung der Hirnaktivität, Verbesserung der Reizabschirmung und Wahrnehmung erzielt. Trotz der häufig überraschend starken Effekte und Verbesserungen führt dieses Verfahren leider noch ein Nischendasein. Dies dürfte auch darin begründet sein, dass Wirtschaft und Pharmaunternehmen keinerlei Interesse zeigen und häufig versucht wird durch fragwürdige Studien die Wirksamkeit von Neurofeedback in Frage zu stellen.

Grundsätzliche Informationen:
ADHS/ADS und Autismus beginnen bereits in der frühen  Kindheit, sind aber im Erwachsenenalter nicht so einfach verschwunden, wie es noch oft bis vor wenigen Jahren gedacht wurde. Erst in den letzten Jahren wurde diesen beiden Störungen für den Erwachsenenbereich vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Untersuchungen zeigen, dass sich das Beschwerdebild im Erwachsenenalter oft anders gestaltet als noch in der Kindheit und Jugend. Impulsive und bei ADHS typische hyperaktive Verhaltensweisen nehmen eher ab. Aufmerksamkeitsstörungen, Sensibilität und z.B. Ablenkbarkeit, Probleme, sich zu fokussieren emotionale und soziale Empfindsamkeiten (Autismus) und Konzentrationsstörungen bleiben bestehen oder verstärken sich sogar (z.B. Geräuschempfindsamkeit).
Bis vor kurzer Zeit war auch die gemeinsame Diagnose von AD(H)S und Autismus nicht möglich, da sich beide Störungsbilder laut disgnostischen Manualen auschlossen. Inzwischen ist es aber möglich, beide Diagnosen zu stellen. In der Praxis ist das gleichzeitige Auftreten beider Symptombereiche gar nicht so selten. Insbesondere die Reizfilterstörung (Empfindsamkeit gegenüber zu vielen oder auch bestimmten Reizen) bildet hier einen gemeinsamen Kern.

Vorgehen Diagnostik:
Die Diagnostik im Erwachsenenbereich gestaltet sich schwierig und aufwändig. Die Diagnose ist eine klinische Diagnose und kann nicht aus einem einzelnen Fragebogen abgeleitet werden. Es ist notwendig, eine Vielzahl von Informationen zusammenzufügen, um zu einer eindeutigen Diagnose zu kommen. Hierzu gehören z.B. Eigen- und Fremdanamnese, Zeugnisse aus der Grundschulzeit, Berichte aus Vorbehandlungen und eine Differentialdiagnostik hinsichtlich eventueller körperlicher oder psychischer Erkrankungen. Natürlich ist auch eine ärztliche Untersuchung zum Ausschluss körperlicher Ursachen (z. B. Hormonstörungen u.ä.) wichtig.
Insbesondere im Leben und Beruf erfolgreiche Erwachsene haben oft Ausgleichs- oder Kompensationsstrategien für ihre Symptome entwickelt, so dass diese im Alltag anderen kaum auffallen. Dieser Ausgleich erfordert aber häufig eine große Kraftanstrengung, so dass spätestens im mittleren Erwachenenalter auch Erschöpfungssymptome bis hin zu depressiven Epiosoden auftreten können.

Die gesamte Diagnostik wird an  3-4   Terminen durchgeführt.
Im ersten Teil der Diagnostik werden eine Anamnese und grundsätzliche Informationen erhoben sowie Vorbefunde berücksichtigt. Fremdanamnestische Angaben sind erwünscht durch z.B. enge Angehörige. Mittels verschiedener Fragebögen werden eigene Angaben und Angaben der Bezugspersonen objektiviert. Differentialdiagnostisch werden andere Ursachen und auch  psychische Erkrankungen ausgeschlossen.
Im zweiten Teil der Diagnostik erfolgen Tests zur Aufmerksamkeitslenkung und sozialen Wahrnehmung. Auch eine Testung der allgemeinen Leistungsfähigkeit ist bei Bedarf möglich.

Bei Bedarf können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen, um z.B. ein Vorgespräch zu vereinbaren oder weitere Informationen zu erhalten. Die Buchung eines Erstgesprächs ist auch online möglich. Falls keine Termine freigeschaltet sind, schreiben Sie uns gerne eine e-mail und wir nehmen dann mit Ihnen Kontakt auf. Im Online-Kalender können demnächst auch direkt Termine für die Diagnostik gebucht werden.
Die Kosten für die Diagnostik werden durch die Krankenkasse getragen. Im Anschluss wird ein Bericht erstellt.

Der Weg zur Diagnose

 

 

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