Praxisgemeinschaft Psych. Psychotherapeuten
Hans-Werner Firmenich  Jonas Kersken  |  Ralf Jostes |  Malte vom Brocke                

Diagnostik von ADHS/ADS und Autismusspektrumstörungen im Erwachsenenbereichhttps://www.adhs-ratgeber.com/www/Autismus_ADHS_Patienteninformation.pdf

Patricia E. Clark sagte über die Autismus/Asperger-Diagnose im Erwachsenenalter:

Sie ist enorm nützlich. Wenn nichts anderes, so rechtfertigt sie doch zumindest die lebenslangen Anstrengungen, dem gerecht zu werden, was jeder von ihnen verlangte/erwartete und sie nicht erfüllen konnten/wollten. Es ist solch eine Erleichterung zu wissen, dass du kein schlechter Mensch bist, weil du du selbst bist.

“Mädchen fallen oft durch die Diagnostik, weil sie so gut darin sind, ihre Symptome zu verstecken oder zu überspielen. Jungen tragen ihre Probleme nach aussen, während Mädchen lernen, dass wenn sie in ihrer Rolle gut sind, ihr Anderssein nicht bemerkt wird.  Jungen greifen an und werden aggressiv wenn sie frustriert sind, während Mädchen im Stillen leiden und passiv-aggressiv werden. Mädchen lernen zu beschwichtigen und zu verzeihen. Sie beobachten Menschen aus der Ferne und ahmen deren Verhalten nach. Nur, wenn man genau hinschaut und die richtigen Fragen stellt, wird man die Unsicherheit in ihren Augen erkennen und sehen, dass ihr Verhalten nur gespielt ist.” Tony Attwood


Vorweg: Grundsätzlich gibt es Vor- und Nachteile einer Diagnostik.
Eine Diagnostik ist dann sinnvoll, wenn Beschwerden bestehen, die die Lebensqualität und/oder auch den schulischen bzw. beruflichen Werdegang beeinflussen und somit eine Behandlung sinnvoll erscheint. Die Kostenübernahme einer Behandlung (im öffentlichen Gesundheitssystem)  und auch die Inanspruchnahme weiterer Hilfsangebote wie z.B. eine gezielte Autismustherapie sind nur mit Vorliegen einer Diagnose möglich. Gar nicht so selten ist eine Symptomatik sowohl aus dem Autismusspektrum wie auch aus dem AD(H)S Bereich. Hier kann eine Stimulantienbehandlung (Methylphenidat) eine deutliche Beschwerdereduktion (insbesondere bezüglich Reizüberempfindsamkeit und Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen) bewirken. 
Vorteilhaft kann auch die Bestätigung eines Grades einer Behinderung sein (vgl. Teilhabe).
Nachteil: Eine Diagnose kann den Abschluss bestimmter Versicherungen (z.B. private Krankenversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung) und evtl. auch eine Verbeamtung erschweren.

Daher werden im Erstgespräch die individuelle Bedeutung und Konsequenz einer Diagnose thematisiert.
Da der persönliche Kontakt auch während einer Testsituation gerade für Menschen mit Autismusspektrumstörungen schwierig sein kann ist ein Teil der Diagnostik auch online und/oder per Videotermin möglich. Beachten Sie bitte, dass Videotermine aktuell (ab 01.04.2022) nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden.

Nach der Diagnostik: Falls freie Kapazitäten vorhanden sind, ist eine psychotherapeutische Weiterbehandlung möglich. Eine eventuell notwendige medikamentöse Behandlung kann bei uns nicht erfolgen. Hierzu ist die Behandlung durch einen Facharzt für Psychiatrie notwendig. Aufgrund langer Wartezeiten ist eine frühzeitige Kontaktaufnahme anzuraten. 
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen immer mehr, dass die Durchführung von Neurofeedback (siehe Seite Neurofeedback)  bei ADHS und Autismus gute Erfolge erzielen kann. Es besteht die Möglichkeit das Neurofeedbackverfahren ILF (Othmerverfahren) in der Praxis auszuprobieren und auch während der Psychotherapie einzusetzen. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt u.a darin, dass es sich um ein nicht-invasives Verfahren handelt. Durch eine reine Messung und Rückmeldung bestimmter Prarameter werden eine Veränderung der Hirnaktivität, Verbesserung der Reizabschirmung und Wahrnehmung erzielt. Trotz der häufig überraschend starken Effekte und Verbesserungen des Befindens und der Funktionsfähigkeit im Alltag führt dieses Verfahren leider noch ein Nischendasein. Dies dürfte auch darin begründet sein, dass Wirtschaft und Pharmaunternehmen keinerlei Interesse zeigen und häufig versucht wird durch fragwürdige Studien die Wirksamkeit von Neurofeedback in Frage zu stellen.

Grundsätzliche Informationen:
ADHS/ADS und Autismus beginnen bereits in der frühen  Kindheit, sind aber im Erwachsenenalter nicht so einfach verschwunden, wie es noch oft bis vor wenigen Jahren gedacht wurde. Erst in den letzten Jahren wurde diesen beiden Störungen für den Erwachsenenbereich vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Untersuchungen zeigen, dass sich das Beschwerdebild im Erwachsenenalter oft anders gestaltet als noch in der Kindheit und Jugend. Impulsive und bei ADHS typische hyperaktive Verhaltensweisen nehmen eher ab. Aufmerksamkeitsstörungen, Sensibilität und z.B. Ablenkbarkeit, Probleme, sich zu fokussieren emotionale und soziale Empfindsamkeiten (Autismus) und Konzentrationsstörungen bleiben bestehen oder verstärken sich sogar (z.B. Geräuschempfindsamkeit).
Bis vor kurzer Zeit war auch die gemeinsame Diagnose von AD(H)S und Autismus nicht möglich, da sich beide Störungsbilder laut diagnostischen Manualen ausschlossen. Inzwischen ist es aber möglich, beide Diagnosen zu stellen. In der Praxis ist das gleichzeitige Auftreten beider Symptombereiche gar nicht so selten. Insbesondere die Reizfilterstörung (Empfindsamkeit gegenüber zu vielen oder auch bestimmten Reizen) bildet hier einen gemeinsamen Kern. Falls eine Komorbidität beider Symptomatiken (ADHS und Autismus)  auftritt, kann eine Medikation mit Amphetaminen (z.B. Ritalin, Concerta  oder Medikinet) oder Lisdexamfetamin (Elvanse) sich auch auf bestimmte Symptome von Autismus z.B. hohe Empfindsamkeit gegenüber Außenreizen)  positiv auswirken. 
Es kann bei ADHS und/oder Autismus zu paradoxen Effekten bei der Medikation kommen, die auch Fachleuten heute immer noch zu wenig bekannt sind. So kann ein Beruhigungsmittel genau entgegengesetzt, nämlich aufputschend wirken. Klassische Antidepressive wie z.B. Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) (z.B. Escitalopram, Citalopram, Sertralin) zeigen oft eine nur geringe Wirksamkeit, Atomoxetin (z.B. Strattera) oder Buproprion können hier Alternativen sein. Da der Schlaf häufig gestört ist (Ein- und Durchschlafstörungen) kann hier Melatonin als zusätzliche Gabe zur Nacht helfen. 

Die Schulzeit kann bei Betroffenen nahezu gänzlich unauffällig verlaufen sein, wenn es gute Kompensationsstrategien zumeist gepaart mit hoher Intelligenz vorlagen. Gerade bei Frauen werden daher insbesondere autistische Züge oder Symptome häufig von außen kaum bis gar nicht wahrgenommen oder unterschätzt. 

Vorgehen Diagnostik:
Die Diagnostik im Erwachsenenbereich gestaltet sich schwierig und aufwändig. Die Diagnose ist eine klinische Diagnose und kann nicht aus einem einzelnen Fragebogen abgeleitet werden. Es ist notwendig, eine Vielzahl von Informationen zusammenzufügen, um zu einer eindeutigen Diagnose zu kommen. Hierzu gehören z.B. Eigen- und Fremdanamnese, Zeugnisse aus der Grundschulzeit, Berichte aus Vorbehandlungen und eine Differentialdiagnostik hinsichtlich eventueller körperlicher oder psychischer Erkrankungen. Natürlich ist auch eine ärztliche Untersuchung zum Ausschluss körperlicher Ursachen (z. B. Hormonstörungen u.ä.) wichtig.
Insbesondere im Leben und Beruf erfolgreiche Erwachsene haben oft Ausgleichs- oder Kompensationsstrategien für ihre Symptome entwickelt, so dass diese im Alltag anderen kaum auffallen. Dieser Ausgleich erfordert aber häufig eine große Kraftanstrengung, so dass oft mit Beginn eines Studiums oder Beginn einer Ausbildung auch Erschöpfungssymptome bis hin zu depressiven Episoden auftreten können und bisher eingesetzte Kompensationsstrategien nicht mehr gut funktionieren. Viele Daten, die zur Beschreibung der Symptomatik und Entwicklung von Testverfahren und Diagnosen führten stammen ausschließlich von Jungen oder Männern. Die Symptomatik kann sich bei Frauen oft anders darstellen (z.B. aufgrund hohen Camouflage-Verhaltens; gute soziale Anpassung und Unterdrücken von Symptomen in der Öffentlichkeit). Daher werden in der Diagnostik nicht nur Symptome erhoben sondern es wird ein Augenmerk insbesondere auf Kompensations- und Überdeckungsstrategien gelegt. 

Die gesamte Diagnostik wird an  3-4   Terminen durchgeführt.
Im ersten Teil der Diagnostik werden eine Anamnese und grundsätzliche Informationen erhoben sowie Vorbefunde berücksichtigt. Fremdanamnestische Angaben sind erwünscht durch z.B. enge Angehörige. Mittels verschiedener Fragebögen werden eigene Angaben und Angaben der Bezugspersonen objektiviert. Differentialdiagnostisch werden andere Ursachen und auch  psychische Erkrankungen ausgeschlossen.
Im zweiten Teil der Diagnostik erfolgen bei Bedarf Tests zur Aufmerksamkeitslenkung und sozialen Wahrnehmung. Auch eine Testung der allgemeinen Leistungsfähigkeit (IQ) ist bei Bedarf möglich. 

Aufgrund sehr vieler Anfragen mussten wir unser Procedere für sie Diagnostik etwas umstellen: 

Die Buchung eines Erstgesprächs ist NUR online möglich. Falls keine Termine freigeschaltet sind, schreiben Sie uns gerne eine e-mail falls es dringende Gründe für eine zeitnahe Diagnostik gibt, und wir nehmen dann mit Ihnen Kontakt auf. 
Die Kosten für die Diagnostik werden in der Regel durch die Krankenkasse getragen. Im Anschluss wird ein Bericht erstellt.

Der Weg zur Diagnose

 

 









Im Anschluss an die Diagnostik gibt diese Broschüre sowohl für ADHS und Autismus getrennt wie auch für beide Diagnosen wenn sie gleichzeitig auftreten einen guten  Überblick


  https://www.adhs-ratgeber.com/www/Autismus_ADHS_Patienteninformation.pdf

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